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Was macht Facebook mit seinen Nutzern? (20.02.2011)

Kirchliche Einrichtungen müssen Communitys aufbauen und Twitter nutzen. Aber können sie das so unbeschwert wir eine Music-Band oder eine Modemarke? Die Kirche mit ihren Einrichtungen hat eine ganz andere Mitverantwortung für die Gesellschaft und daher für ihre Kommunikation. Sie ist mehr als ein Unternehmen gefordert, die Folgen in den Blick zu nehmen. Dazu ein erster Gesprächsbeitrag:

Zadie Smith, Buchautorin, 35 Jahre, Harvard-geprägt, nimmt den Film „The Social Network“ zum Ausgang für ihre Reflexionen. Einige ihrer Beobachtungen und Schlussfolgerungen werden hier zusammengestellt:

1.    „Für die verunsicherte Generation von Zuckerberg und mir ist der Gedanke, unbeliebt zu sein, ziemlich schlimm, geradezu unerträglich.“ Zadie Smith ist 35 Jahre alt.

2.    Ihr zentraler Einwand gegen Facebook: Es standardisiert die Angaben, die eine Person in ihr Profil schreibt und reduziert den Umfang der Kommunikation sprachlich und inhaltlich. Facebook reduziert die Persönlichkeit seiner Nutzer auf einige möglichst einfache und meist belanglose Aussagen.

3.    Facebook erzeugt den Eindruck, eine bessere Welt hervorzubringen, weil Menschen miteinander verbunden werden. aber die Verbindung, die Facebook herstellt, ist eine oberflächliche. „Wenn es darum geht, bei möglichst vielen Menschen beliebt zu sein, wird jede Besonderheit weggebügelt.“

4.    Die faktische Aufhebung der Privatsphäre führt dazu, dass die Nutzer von Facebook ihre Informationen reduzieren, um möglichst wenig von ihrer Persönlichkeit für andere zugänglich zu machen.

5.    Facebook erzeugt einen Kommunikationsstil, den Zadic Smith so beschreibt: „Gespielt fröhlich, gespielt freundlich, ichbezogen, unaufrichtig.“

·         “Was ist dein Beziehungsstatus? (Wähle einen. Es kann nur eine Antwort   geben. Die Leute müssen Bescheid wissen.)“

·         „Hast Du ein ‚Leben‘? (Beweise es, stelle Bilder ein.)“

·         „Interessierst Du Dich für die richtigen Dinge? (Stelle eine Liste auf. Gut sind Film, Musik, Bücher und Fernsehen. Architektur, Ideen, Pflanzen kommen nicht infrage.)“

6.    Die Kommunikation über Facebook reduziert die Gefühlsdimension, das Leben in den digitalen Welten wird langweilig. „Wer auf einer Website von Facebook nur noch als Datenmenge existiert, ist eine reduzierter Mensch geworden. Alles ist eingeschränkt - Charakter, Freundschaften, Sprache, Empathie. In gewisser Weise ist es eine neue Erfahrung von Transzendenz: wir verlieren unseren Körper, unsere Gefühle, unsere Bedürfnisse, unsere Angst.“

7.    „The Social Network ist nicht das gnadenlose Porträt einer realen Person namens Mark Zuckerberg. Es ist ein gnadenloses Porträt von uns, von 500 Millionen lebendigen Menschen, die in der Gedankenwelt eines unbekümmerten jungen Harvard-Studenten gefangen sind.“

 

Ihre Schlussfolgerung:

Die jungen Nutzer von Facebook haben eine bessere Software verdient.

 

Der Essay „Generation Warum?“ von Zadie Smith ist am 5.12.2010 in der Frankfurter Sonntagszeitung erschienen.

 

Eckhard Bieger

kath.de-Redaktion